
Landesverband Baden-Württemberg
Presseinformation
Bienen hoffen auf Bauern und Bürgermeister
(Stuttgart / Bad Boll) - Der jährliche Imkertag der Bioland-Landesverbände Baden-Württemberg und Bayern in der Evangelischen Akademie Bad Boll stand dieses Jahr unter dem Motto "Blühende Landschaft". Es wurden Maßnahmen für Bauern, Imker und Kommunen diskutiert, um einem Bienensterben wie im Jahr 2003 vorzubeugen.
Die überdurchschnittlich hohen Bienenverluste in den Jahren 2002 und 2003 haben vielen Imkern und Naturschützern, aber auch Landwirten die Augen geöffnet. Bundesweit starben 30 Prozent der Bienenvölker, in vielen Regionen überlebten 50 bis 80 Prozent der Honigbienen den Winter nicht. Insgesamt starben mehr als 300.000 Bienenvölker. Die Verknappung der Nahrungsgrundlage der Bienen, also der Rückgang von Nektar und Pollen spendenden Pflanzen war eine entscheidende Ursache für diese Verluste. "In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation für Honig- und Wildbienenarten in unserer Landschaft enorm verschlechtert", so Jochen Fritz vom Beratungsdienst Ökologischer Landbau aus Rottenburg. "Es blüht im Sommer ja nichts mehr, so dass die Bienen unterernährt überwintern müssen." Ursache hierfür sei die Entwicklungen in der Landwirtschaft, die zu einem immer knapper werdenden Pollenangebot für Bienen führe. Während im Frühjahr durch die Blüte von Raps, Obstbäumen und Löwenzahn für die Bienen in vielen Regionen der Tisch noch reich gedeckt ist, bricht die Nahrungsversorgung für diese Insekten im Juni meist schlagartig zusammen. Das muss jedoch nicht so sein.
"Landwirte haben viele Möglichkeiten, die Lebensbedingungen der Honigbiene zu verbessern", so Utto Baumgartner vom "Netzwerk Blühende Landschaft", einem Zusammenschluss von 20 Verbänden, die zu diesem Thema arbeiten.
Landwirte könnten viele Bienen vor dem "Mähtod" retten, wenn sie beim Mähen von Wiesen und Weiden den richtigen Zeitpunkt und eine geeignete Technik wählen. Außerdem schaffen die Bauern mit Hecken, ungenutzten Böschungen und ähnlichen Strukturen wertvolle "Pollenspender". Ganz gezielt können Ackerbauern bienenfreundliche Pflanzen, wie Leindotter und Sonnenblumen in ihre Fruchtfolgen einbauen, die den Bienen Nektar und Pollen spenden.
Die wichtigste Devise auf den Feldern heißt: Viele blühende Pflanzen so lange wie möglich! Raps oder Löwenzahn versorgen die Bienen im Frühjahr zwar reichhaltig, aber nur kurzfristig. Bienen brauchen jedoch während der gesamten Vegetationsperiode Nektar und Pollen.
Besonders im Spätsommer ist die Versorgung wichtig, um mit gut genährten Bienen in den Winter zu gehen. "Honig kann man importieren, die Befruchtung von Obstbäumen und anderen Pflanzen leider nicht", erklärte ein Teilnehmer auf dem Imkertag treffend die wichtige Bedeutung der Bienen in unseren Ökosystemen.
Auch die Kommunen – so Utto Baumgartner - könnten durch die Aussaat von heimischen Wildblumen an Wegerändern, auf Verkehrsinseln und in innerstädtischen Grünanlagen zu mehr "natürlicher" Vielfalt, zur besseren Versorgung der Bienen und zur Freude der Bürger beitragen. Hiervon profitiert die Landwirtschaft genauso wie die Bewohner der Region, die sich an den blühenden Landschaften erfreuen. Das auf der Tagung erwähnte Engagement der Stadtgärtnerei Mössingen ist dafür ein gutes Beispiel (www.moessingen.de). Der Stadtverwaltung ist es mit kostengünstigen Maßnahmen gelungen, ihre Kommune zur Blumenstadt zu machen – zur Freude von Mensch, Natur und Imkern. "Wir hoffen", so Jochen Fritz, "dass diese Ideen und Anstöße für eine bienefreundlichere Landschaft bei vielen Bauern, Bürgern und Bürgermeistern auf fruchtbaren Boden fallen."
Weitere Informationen zum Thema:
Jobst Kraus
07164 - 79222
Jochen Fritz 07472 - 283930
Netzwerk Blühende Landschaft: http://www.bluehende-landschaft.de
