Landesverband Baden-Württemberg

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Neue Arbeitsplätze mit Bioland

Stuttgart (pm) Der ökologischen Landbau und die Verarbeiter biologischer Rohstoffe schaffen und erhalten Arbeitsplätze in den jeweiligen Regionen. Dieser landesweite Trend lässt sich an vielen Einzelbeispielen belegen.

"In Bioland-Betrieben entstehen nicht nur neue, sondern auch qualitativ hochwertige Arbeitsplätze mit abwechslungsreichen Tätigkeiten", bilanziert Ulrich Natterer, Landesvorsitzender von Bioland Baden-Württemberg, die Entwicklung der letzten Jahre. Besonders viele Arbeitsplätze schafft beispielsweise der arbeitsintensive Obst- und Gemüsebau. Ein Erfolgsbeispiel aus dem Landkreis Ludwigsburg ist die Bioland-Gärtnerei Laiseacker: 1987 gründeten Gudi und Patrick Butz mit 0,5 Hektar Gemüsefläche den Betrieb in Nussdorf und setzten dabei von Anfang an auf Bio. Heute bewirtschaften sie 17 Hektar und liefern wöchentlich Bio-Abokisten an 4.500 Kunden im Raum Ludwigsburg, Stuttgart und Herrenberg. Diese serviceorientierte Vermarktung schafft Arbeit für 26 festangestellte Mitarbeiter und rund 40 Aushilfskräfte. "Unseren Kunden gibt es ein gutes Gefühl", so Patrick Butz, "dass sie mit ihrem Einkauf einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb und Menschen in ihrer Region unterstützen und nicht ein anonymes Handelsunternehmen".

Auch Verarbeitungsbetriebe, die ihre Rohstoffe vor allem bei Bio-Kollegen in der Region einkaufen, schaffen und sichern Arbeitsplätze vor der Haustür: Als Eve Neubold-Sigel und Bernd Sigel 1994 eine zuvor konventionelle Bäckerei in Weilheim bei der Teck übernahmen, haben sie dort mit 8 Mitarbeitern angefangen. Inzwischen hat sich längst bewährt, nicht wie die Konkurrenz auf Billigproduktion zu setzen, sondern in allen Bereichen Qualität zum Maßstab zu machen: Bei den Rohstoffen, den Mitarbeitern und der regionalen Verankerung des Betriebs. Heute arbeiten 90 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in drei Backstuben und sieben Läden in Weilheim und Kirchheim – Teilzeitkräfte und Azubis mitgezählt. Die Bioland-Bäckerei "Scholderbeck" – so der eingeführte Name – beliefert inzwischen Naturkostläden und Reformhäuser von Stuttgart bis Ulm. Qualitativ und geschmacklich hochwertige Backwaren zu produzieren, ist das oberste Ziel der Sigels. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie auf industrielle Fertigbackmischungen für Brote und Brötchen völlig verzichten. "Die Rezeptur ist dann vollkommen, wenn man nichts mehr weglassen kann", so der Bäckermeister und Konditor Bernd Sigel. Weil sich die konventionellen Bäcker von diesen Standards der Backkunst inzwischen weit entfernt haben, ist es dem "Scholderbeck" auch so wichtig, den eigenen Nachwuchs selbst auszubilden. "14 Azubis haben wir zur Zeit im Betrieb", so Sigel. Der größte Teil der Backrohstoffe stammt von Bioland-Betrieben "in Sichtweite der Teck", einer regional bekannten Burg auf einem exponierten Vorsprung der Schwäbischen Alb. Wer dort am Wochenende einen Ausflug macht, wandert vielleicht am Getreide vorbei, das er demnächst in seinem Brot wiederfindet. Auch hier bleibt ein großer Teil der Wertschöpfung des Betriebes in der Region. Für immer mehr Verbraucher, die täglich von Arbeitsplätzen lesen, die ins Ausland wandern, gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung.

Mehr Arbeitsplätze entstehen auch dort, wo landwirtschaftliche Betriebe direkt ab Hof vermarkten. "Mit unserem Hofladen, der Mitte September aufmacht, schaffen wir vier bis sieben Arbeitsplätze für Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen", sagt Markus Kopp, Gruppenleiter im Hofgut Gaisbühl in Reutlingen. Der Betrieb der Bruderhaus Diakonie wirtschaftet seit 1998 nach den Bioland-Richtlinien und ist seither kontinuierlich gewachsen. In allen Arbeitsbereichen, vom Obst- und Gemüsebau bis zur Landschaftspflege entstanden neue Arbeitsplätze für Menschen, für die es in anderen Betrieben oft keinen Platz gibt. 

Fazit: Die steigende Nachfrage der Verbraucher nach Bio-Produkten hat ein großes Potential, hierzulande Arbeitsplätze zu schaffen. "Leider wurde jedoch davon ein guter Teil verschenkt", so Natterer, "weil die Politik die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannte". So hatte Baden-Württemberg die  Bio-Förderung in der Landesagrarpolitik mehrere Jahre eingefroren und damit umstellungsinteressierte Landwirte abgehalten. Die Zahl der Betriebe stagniert deshalb seit Jahren und die Nachfrage sucht sich ihr Angebot außerhalb des Landes. "Das Wachstum des Marktes geht an den einheimischen Betrieben zum großen Teil vorbei". Gleichzeitig melden jedoch die Bioland-Berater, dass das Interesse der konventionellen Kollegen an  Bioland nach wie vor sehr groß ist. Deshalb ist  Natterer überzeugt: "Mit einer weitsichtigen Politik, die den Betrieben über die ersten, schwierigen Jahre nach der Umstellung hilft, könnte hier einiges bewegt werden". Die Hoffnungen liegen auf der neuen Programmplanungsperiode von MEKA ab dem 1. Januar 2007: "Angesichts der eindeutigen Vorteile für Umwelt, Arbeitsplätze und Produktqualität", so Natterer, "wünschen wir  uns ein deutlicheres Bekenntnis der Landesregierung zum ökologischen Landbau".

Weitere Informationen im Internet:
www.bioland-bw.de
www.laiseacker.de
www.scholderbeck.de

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Bioland - Ökologischer Landbau