
Landesverband Baden-Württemberg
Presseinformation
Geheimer Anbau von Genmais zwischen 1998 und 2004
Bioland fordert vom Bundeslandwirtschaftsministerium Aufklärung / Ausmaß größer als bisher angenommen
Esslingen, 25. August 2006. Nur durch Zufall wurde der jahrelange Geheimanbau von Genmais im Rahmen der Bundessortenprüfung im nordrhein-westfälischen Greven vor kurzem öffentlich. Bioland-Bauern und ihre konventionellen Kollegen in der dortigen Region sind massiv verunsichert über diese späte Aufklärung eines Mitarbeiters des Bundessortenamtes. "Bioland fragt in wie weit auch in Baden-Württemberg solche geheimen Sortenversuche stattgefunden haben." so Matthias Strobl, Landesgeschäftsführer von Bioland. "Der Fall zeigt eindringlich, wie wichtig der Fortbestand eines transparenten Standortregisters im deutschen Gentechnikrecht ist".
Doch das bundesweite Ausmaß des Geheimanbaus ist noch viel größer: Nach Bioland vorliegenden Informationen wurden vom Bundessortenamt im Zeitraum 1998 bis 2005 insgesamt 32 gentechnisch veränderte Maissorten mit den Konstrukten T 25, BT 176 und MON 810 an jährlich bis zu 18 Standorten geprüft. Die genauen Standorte der Jahre 1998 bis 2004 und deren Begleitumstände sind aber weiter geheim.
Im Interesse aller Bauern fordert Bioland nun die Offenlegung aller Standorte der Wertprüfungen von GVO-Pflanzen der Jahre 1998 bis 2004 und vor allem auch Klarheit über den Kenntnisstand von staatlichen Behörden bzw. anderen Institutionen. Eine entsprechende Anfrage zur Situation in Baden-Württemberg wurde an das Stuttgarter Ministerium für Ländlichen Raum gerichtet.
Offen sind dabei folgende Fragen:
- Wurden auch in Baden-Württemberg Genmais-Sorten zwischen 1998 und 2004 geprüft?
- Wo genau und in welchem Umfang fanden diese Prüfungen statt? (Standorte, Umfang, Genmais-Konstrukte)?
- Welche Behörden und Institutionen hatten Kenntnis auf Landesebene (Ministerien, Ämter, Landesanstalten etc.)?
- Wussten die Flächeneigentümer jeweils, dass Genmais auf ihren Flächen angebaut wurde?
- Welche Sicherheitsmaßnahmen wurden ergriffen (Abstände, Mantelsaaten)? Wurde darauf geachtet, dass z.B. kein biologischer angebauter Mais in der Umgebung steht?
- Welche Kontrollmaßnahmen fanden begleitend statt (z.B. Gentechnisch veränderte Pollenanteile aus Honigernten der Region)?
- Was geschah jeweils mit dem Aufwuchs? Waren auch Sorten dabei, die in der EU inzwischen keine Zulassung mehr haben?
- An welchen Standorten hat das Bundessortenamt 2005 geprüft? Wurden in diesem Jahr alle Standorte zurückgezogen?
Der jahrelange Geheimanbau von Genmais zeigt, wie wichtig der Fortbestand eines transparenten Standortregisters im deutschen Gentechnikrecht ist. Bioland warnt in diesem Zusammenhang vor jeglicher Aufweichung des Gentechnikgesetzes.
Bioland ist mit über 950 Erzeugern und 230 Partnern in Lebensmittelhandwerk und -industrie der größte Verband im ökologischen Landbau in Naden-Württemberg.
