Aktionsbündnis Gentechnik-freie
Landwirtschaft in Baden-Württemberg

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Gentechnik-freie Landwirtschaft in Baden-Württemberg
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Presse - Mitteilung

Gen-Mais muss vom Acker!

Landesregierung und Saatgutindustrie verschleiern GVO- Kontamination von Mais-Saatgut.

Protest gegen Genmais in Baden-Württemberg(Stuttgart, 19.05.09) Imker und Landwirte aus der Region Stuttgart protestierten heute mit Bienenvölkern und Traktoren vor dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum und dem Umweltministerium in Stuttgart. Sie forderten Umweltministerin Tanja Gönner auf, die vollständige Vernichtung der 170 Hektar Maisflächen zu veranlassen, die mit der gentechnisch veränderten Maislinie NK 603 verunreinigt sind.

Im Verlauf der im Anschluss einberaumten Pressekonferenz machte der Vorstand des "Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes" Hermann Ritter deutlich, dass der aktuelle Fall des kontaminierten Maissaatguts erneut zeige, dass eine Koexistenz nicht möglich ist und die schleichende Verunreinigung des Saatguts bereits begonnen hat: "Die Reinheit des Saatguts ist die essentielle Voraussetzung für die gentechnikfreie Landwirtschaft. Nur so kann gentechnikfreie konventionelle und ökologische Züchtung, Saatgutvermehrung und Sortenerhaltung langfristig gesichert werden".

Der Imkermeister und Landesgeschäftsführer des Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund e.V. (DBIB) Christoph Koch betonte: "Die Maislinie NK 603 hat keine Anbauzulassung in Europa. Hier gilt Nulltoleranz und dieses Maissaatgut darf nicht in Verkehr gebracht werden. Das Land dürfe auf keinen Fall zulassen, dass der aufgewachsene Mais unter bestimmten Bedingungen in Biogas-Anlagen verwertet wird, forderte Siegfried Wucher vom Fachverband Biogas: "Der Genmais schädigt die Biogasbakterien und ist deshalb für die Verwendung in der Biogasanlage tabu."

Mit großer Besorgnis hatte Bioland Baden-Württemberg bereits im April die Tatsache zur Kenntnis genommen, dass die diesjährigen Untersuchungen von konventionellem Mais-Saatgut in fünf von 99 Saatgutpartien Spuren von GVO-Bestandteilen ergeben haben.

Bereits vor einem Monat hatte Bioland im Interesse seiner Mitglieder Landwirtschaftsminister Peter Hauk aufgefordert, die Ergebnisse des baden-württembergischen Saatgutmonitorings offen zu legen - und bis heute darauf keine Antworten erhalten. Berthold Weber, Vorstandsvorsitzender von Bioland Baden-Württemberg verlangte deshalb, die betroffenen Mais-Standorte und Saatguthersteller endlich offen zu legen und die verantwortlichen Saatgutfirmen zur Rechenschaft zu ziehen. "Mit der Geheimniskrämerei muss jetzt endlich Schluss sein!"

Die Zukunft für die Landwirte im kleinräumig strukturierten Südwesten liegt eindeutig in der Produktion von qualitativ hochwertigen Nahrungs- und Futtermitteln. "Unser Landwirtschaftsminister muss seinen Lippenbekenntnissen endlich Taten folgen lassen: Wir brauchen eine Politik, die sich klar zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft und zur Reinheit von Saatgut in Baden-Württemberg bekennt", stellte BUND Landesgeschäftsführer Berthold Frieß abschließend fest.

Hintergrundinformationen:

Zehn Landwirte in Baden-Württemberg haben in diesem Frühjahr – ohne es zu wissen – auf rund 170 Hektar Maissaatgut ausgebracht, das mit der gentechnisch veränderten Maislinie NK 603 verunreinigt war. Für die Aussaat und den Anbau der gentechnisch veränderte Maislinie NK 603 gibt es in der EU keine Zulassung. Die zuständigen Behörden empfehlen nun, die bereits aufgelaufenen Maispflanzen umzubrechen und eine Neuaussaat vorzunehmen, akzeptieren aber auch eine Verwertung des Erntegutes in einer Biogasanlage.

Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband, der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund, der Fachverband Biogas und die im Aktionsbündnis Gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg zusammengeschlossenen Verbände nehmen die Tatsache der Saatgutkontaminierung und den Umgang mit den kontaminierten Maispflanzen mit großer Sorge zur Kenntnis. Der Vorfall zeigt unmissverständlich, dass eine „Koexistenz“ mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen nicht möglich ist. Die schleichende Kontamination des gentechnikfreien Saatguts hat ganz offensichtlich schon begonnen. Die Festlegung von Schwellenwerten für die Reinheit des Saatguts macht keinen Sinn. Schwellenwerte bedeuten, dass GVO Verunreinigungen unterhalb einer bestimmten Schwelle – bspw. von 0,3% - verborgen bleiben und nicht mehr transparent sind. Landwirte bringen dann – ohne es zu wissen – Gentechnik auf den Acker und sind Verursacher möglicher Kontaminationen. Es kann dann nicht mehr nachvollzogen werden, wo mögliche Verunreinigungen entstehen, weil letztendlich jeder (Mais-)Acker zur Kontaminationsquelle wird. Deshalb darf  am Anfang der Kette keine GVO Verunreinigungen toleriert werden. Nur so kann gentechnikfreie konventionelle und ökologische Züchtung, Saatgutvermehrung und Sortenerhaltung und entsprechend die gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft langfristig gesichert werden.

Die Sprecher der Verbände fordern Landwirtschaftsminister Hauk auf, für Transparenz bezüglich der betroffenen Maissorten, Saatzuchtfirmen und kontaminierten Flächen zu sorgen und die Saatgutindustrie bei der Entschädigung der Landwirte zur Verantwortung zu ziehen. Vom  Umweltministerium fordern die Sprecher die umgehende Vernichtung der aufgelaufenen Maispflanzen anzuordnen, eine Empfehlung an die Landwirte reicht hier alleine nicht aus. Eine Verunreinigung im Bereich 0,03 bis 0,1% bedeutet, dass 30 bis 100 Körner pro Hektar ausgebracht worden sind und daraus 30 bis 100 gentechnisch veränderte Maispflanzen wachsen können. Mit Maßnahmen des Umbruchs können die aufgelaufenen Maispflanzen abgetötet werden, andererseits können nicht gekeimte Körner auflaufen. Deshalb muss zudem die Neuaussaat von  Mais ausgeschlossen und mindestens ein Jahr Durchwuchskontrollen angeordnet werden.

Die von den Behörden angebotene Option, den vollständigen Aufwuchs des verunreinigten Genmaises zuzulassen, wenn dieser in Biogasanlagen verwendet wird, lehnen die Sprecher der Verbände ausdrücklich ab.

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Das Aktionsbündnis "Gentechnik-freie Landwirtschaft in Baden-Württemberg" besteht aus folgenden 31 Organisationen und Initiativen:

AbL Baden-Württemberg
Aktionsbündnis Gentechnik-freie Region Mittlerer Oberrhein
Aktionsbündnis Gentechnik-freie Region Oberrhein
Aktionsbündnis Gentechnikfreie Region Ostalb
Attac Stuttgart/Tübingen/Freiburg (AG Landwirtschaft)
Bioland Baden-Württemberg
Bodensee Stiftung
Bündnis Gentechnikfreie Anbauregion Bodensee-Allgäu-Oberschwaben
Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe
BUND Baden-Württemberg
Dachverband Entwicklungspolitik Baden Württemberg
Demeter Baden-Württemberg
Deutscher Berufs- und Erwerbs Imker Bund (DBIB)
Eurotoques
Evangelisches Bauernwerk in Württemberg
Evangelische Jugend auf dem Lande in Württemberg (ejl)
Forum Pro Schwarzwaldbauern
Greenpeace Gruppe Stuttgart/Esslingen/Freiburg
gepa Fair Handelshaus
Katholische Landjugend Bewegung Rottenburg-Stuttgart
Katholische Landjugend Bewegung Erzdiözese Freiburg
LandFrauenverband Südbaden
Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV)
LandFrauenverband Württemberg-Baden
NABU Baden-Württemberg
Naturheilverein Spechbach
Naturland Süd-West
Nürtinger Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittel
Seeds Action Network (SAN)
Verband Katholisches Landvolk e.V.
Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V.